Das Schweizer Recht umfasst drei verschiedene Verpflichtungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: 

  • die Berichterstattung über nichtfinanzielle Belange,

  • die Berichterstattungs- und Sorgfaltspflichten betreffend Kinderarbeit und Konfliktmineralien und

  • die Transparenzpflichten für Rohstoffunternehmen.

Die folgenden Punkte geben einen Überblick über den Anwendungsbereich und den Umfang der Transparenzpflichten:

1 Berichterstattung über nichtfinanzielle Belange (Art. 964a-964c OR)

  • Börsenkotierte Schweizer Unternehmen und prudentiell beaufsichtigte Unternehmen, welche bestimmte Grössenkriterien überschreiten

  • Berichterstattung über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Massnahmen zur Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung der Korruption

2 Berichterstattungs- und Sorgfaltspflichten betreffend Kinderarbeit und Konfliktmineralien (Art. 964j-964l OR; VSoTr)

  • Grundsätzlich jedes Unternehmen mit Sitz, Hauptverwaltung oder Hauptniederlassung in der Schweiz, das Produkte importiert, verarbeitet oder anbietet, die Mineralien aus Konfliktgebieten enthalten oder Produkte oder Dienstleistungen anbietet, die potenziell mit Kinderarbeit verbunden sind; eine Ausnahme gilt für kleine und mittlere Unternehmen sowie Unternehmen mit geringen Risiken im Bereich Kinderarbeit

  • Lieferkettenpolitik und System zur Rückverfolgbarkeit der Lieferkette; eine systematische Überprüfung aller Produkte oder Dienstleistungen ist jedoch nicht erforderlich

3 Transparenzpflichten für Rohstoffunternehmen (Art. 964d-964i OR)

  • Unternehmen, die der ordentlichen Revision unterliegen und entweder direkt oder indirekt (über eine Mehrheitsbeteiligung) im Bereich der Gewinnung von Mineralien, Erdöl oder Erdgas oder des Einschlags von Holz in Primärwäldern tätig sind

  • Berichterstattung über Zahlungen (Bar- oder Sachleistungen) an staatliche Stellen mit einem Wert von mindestens 100 000 CHF (durch Einmalzahlung oder Mehrfachzahlungen mit einem Gesamtwert von mindestens 100 000 CHF)

Im Rahmen der nichtfinanziellen Berichterstattung erliess der Bundesrat die Verordnung über die Berichterstattung über Klimabelange (SR 221.434, TCFD-Verordnung), welche seit dem 1. Januar 2024 in Kraft ist. Diese konkretisiert die Berichterstattung der Unternehmen betreffend Klimabelange als Teil der Umweltbelange gemäss Art. 964b Abs. 1 OR. Dabei gilt es im Besonderen die Themenbereiche Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele zu beachten (Art. 3 Abs. 1 lit. a-d TCFD-Verordnung).

Basierend auf den Ergebnissen der Aufträge des EFD, die Regeln der TCFD-Verordnung auf ihre internationale Vergleichbarkeit zu prüfen sowie Mindestanforderungen zur Umsetzung der Klimaziele von Finanzunternehmen gem. KlG sicherzustellen, schlug der Bundesrat am 6. Dezember 2024 eine Revision der Verordnung vor. In seiner Sitzung vom 25. Juni 2025 hat der Bundesrat entschieden, die Revision vorläufig zu pausieren. Der Bundesrat hat dem EFD am 21. März 2025 den Auftrag erteilt, die möglichen Varianten für eine pragmatische Änderung der Gesetzgebung zur nachhaltigen Unternehmensführung, darunter auch die Bestimmungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung im Obligationenrecht, auszuarbeiten. Das Ergebnis dieses Auftrags ist der im April 2026 vorgeschlagene Gesetzesentwurf zum Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG). Das NUFG zielt darauf ab, die Unternehmensverantwortung und die Nachhaltigkeitsberichterstattung grosser Unternehmen, die in der Schweiz und international tätig sind, zu stärken. Es gleicht die Schweizer Vorschriften an wichtige Rahmenwerke der Europäischen Union an, darunter die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) und die EU-Richtlinie zur Sorgfaltspflicht von Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit (CSDDD). 

Deshalb soll – obwohl die Revision der TCFD-Verordnung in der Vernehmlassung inhaltlich mehrheitlich begrüsst wurde – mit der Umsetzung der Verordnung zur Klimaberichterstattung von Firmen weiterhin zugewartet werden, bis der Legislativprozess zum NUFG abgelaufen ist und Klarheit über diese Änderungen besteht.

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